Musikalischer «Bazaar» im Hänggiturm

23. Juni 2018, «Hänggiturm» Schwanden: The Peppermint Tea Group lud ein, um erste Klänge ihres neusten Streichs «At The Bazaar» zu präsentieren. Ein exklusiver Event, der die Vorfreude auf die Plattentaufe am 8. September 2018 im Gütterschuppen Glarus steigern soll. Eingeladen wurden wiederum nur Gäste, die die Band regelmässig unterstützen. Ihnen sollte der Eintritt zum «Bazaar» zuerst gewährt werden.

Vor viel Publikum präsentieren The Peppermint Tea Group an einem exklusiven Pre-Hearing ihr zweites Album «At the Bazaar» Foto: Naomi Wirth (www.naomisalome.com)

The Peppermint Tea Group präsentieren am exklusiven Pre-Hearing ihr zweites Album «At the Bazaar»
Foto: Naomi Wirth (www.naomisalome.com)

 

Im schön eingerichteten Hänggiturm wurden die Gäste mit Apéro und jazziger Hintergrund-Musik begrüsst. Die einzelnen Musiker unterhielten sich mit den Gästen und boten ihnen kleine Häppchen und Getränke an. Nachdem alle Gäste kulinarisch versorgt waren, bat Roman Rey (Keyboarder, Sänger und Komponist der Band) alle Anwesenden langsam aber sicher Platz zu nehmen, um mit dem eigentlichen Anlass zu beginnen. Als Eröffnung gab es einen kurzen Trailer, der die Arbeit im Studio filmisch festhielt. Anschliessend übernahm Michael Knobel (Schlagzeuger) das Wort. Er begrüsste die Gäste, sowie die Ehrengäste. Der heutige Anlass soll einen ersten Einblick geben, wie die Band im Jahre 2018 klingt und wie sie im Studio in Spanien gearbeitet hat. Als erste Höreindrücke sollen im Verlauf des Abends fünf Songs live oder ab Band vorgespielt werden. Bis zur Plattentaufe am 8. September gäbe es aber noch viel zu tun, so Michael. Dazu aber später mehr.

Das Album hört auf den Namen «At The Bazaar». Machen Peppermint jetzt auf orientalisch? «Nein», versichert Michi. «Der Titel bezieht sich darauf, dass die Band ihrem offenen Stil treu bleibt. Es soll die Diversität ihrer Musik zeigen. Also eine Art Bazar mit verschiedenen Angeboten, bei dem für jeden was dabei ist.»

Nun übergab Michi an Roman Rey das Wort. Der Keyboarder und Sänger der Band stellte uns Zuhörern den ersten Song des Abends vor. Dieser trägt den Titel «So Mad» und wurde von ihm komponiert. «Dieser Song geht mir sehr nahe», erzählte Roman, «manchmal ist man einfach in dieser Stimmung. Auch wenn sie nur flüchtig ist.» Nun betrat auch der Rest der Band die Bühne, um den Song live zu spielen.

«So Mad» beginnt (natürlich) mit einem kurzen, aber feinen Klavierintro. Relaxt und jazzig kommt die Band rein, gepaart mit einem stampfenden Groove. Kleine funky Kicks geben dem Stück das gewisse Etwas. Gegen Ende erklingt noch ein Gitarrensolo. «So Mad» wirkt dank präzisem Schlagzeug und tightem Bass sehr groovig. Abgerundet wird das Stück am Schluss mit lauten Bläserkicks.

Sämi, der Trompeter der Band, übernahm nun das Mikrofon und informierte in den kommenden Minuten über Organisation und Planung der Band.
Vorweg ging es um eine kleine Rückschau auf die Geschichte der Band. Diese bestritt unter anderem bereits rund 100 Konzerte und dies schweizweit. Wichtig für die Entstehung eines Albums sei auf jeden Fall das Finanzierungskonzept, so Sämi. Da jeder der Musiker berufliche Verpflichtungen hat, bzw. sich noch im Studium befindet, war es schwierig, einen Zeitpunkt für die Aufnahmen zu fixieren. Um sich wirklich auf die Produktion konzentrieren zu können beschloss man, in Barcelona aufzunehmen. Die Musiker übernachteten dort und hatten so keinerlei Ablenkungen. «Ob die Aufnahmen nun in der Schweiz oder in Spanien stattgefunden hätten spielt finanziell keine Rolle», meinte Sämi. «Fest stand, dass ein Budget kalkuliert werden müsse. Dieses Geld soll dank Vorfinanzierung und Crowdfunding zusammenkommen.»

Samuel Trümpy beschreibt den Finanzierungsplan für «At the Bazaar» Foto: Naomi Wirth (www.naomisalome.com)

Samuel Bisig beschreibt den Finanzierungsplan für «At the Bazaar»
Foto: Naomi Wirth (www.naomisalome.com)

 

Nachdem die Finanzen geklärt waren, ging es ans Schreiben der Songs. Zwischen Juni und September lief der Songwriting-Prozess. In den kommenden drei Monaten wurden alle Songs vorproduziert. Hinzu kam das Feedback von Profis aus der Musikszene. Dieses war sehr hilfreich, da neue musikalische Inputs dazukamen.

Anfangs Jahr begannen die ersten Aufnahmen im Tonstudio «La Casamurada» in Spanien. Der Bassist kam direkt nach Abschluss seiner Prüfungen dazu. Im März und Juni wurde am Mix gearbeitet und gemastert. Nun musste sich die Band entscheiden: Welche Spuren nehmen wir? Welchen Gesamtklang wollen wir? Die Songs wurden schliesslich grob abgemischt und ein Klangausgleich wurde geschaffen. Nun wartet auch sie gespannt auf das finale Mastering und schliesslich die CD-Pressung.

Nach den ausführlichen und souverän vorgetragenen Eindrücken der Album Entstehung übernahm Yannick (Sänger, Komponist und Rhythmus-Gitarrist der Band) das Mikrofon. Die Zuhörer sollen nun in den Genuss eines von ihm komponierten Stückes kommen. Mit «Good Enough» schrieb der Frontman bewusst ein eher elektonisch-popiges Lied. Zu Beginn fragten sich dann auch die Bandmitglieder, wieviel das noch mit dem Sound der Band zu tun habe, doch liessen sie sich schliesslich davon überzeugen und sind im Nachhinein sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung. Um die Radiotauglichkeit zu prüfen holten sie sich bei Roger Rhyner, seines Zeichens Radiomoderator bei «Radio Zürisee», das Feedback ein. Seiner Meinung nach sei das Intro 50 Sekunden zu lang. Für den Radio-Edit würde man das Intro quasi weglassen, bei der Albumversion bliebe es wie gehabt. Um einen Vergleich aufzuzeigen, wurden den Zuhörern beide Versionen vorgespielt. Zuerst war das Intro der Albumversion, also die längere Version, an der Reihe. Das Intro hatte einen gewissen «M83»-Charakter, sprich Pop-Elektro mit vielen Synthesizer-Klängen. Der Sound klang absolut ungewohnt für die Band, aber dementsprechend frisch. Wie konnte nun die Musik für den gewohnten Radiohörer angepasst werden? Wie schon erwähnt, wurde das Intro massiv gekürzt und ein etwas anderes Soundgewand entworfen. Roger Rhyner wünschte sich einen anderen Drum Sound, sprich eher Synthie-Drums gepaart mit Flötensounds. Grundsätzlich wollte er, das «Good Enough» ein Sommerfeeling ausstrahlt. Die knapp dreieinhalbminütige Radioversion ist den Umständen entsprechend brav produziert. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie die Radiohörer darauf reagieren werden.

Es folgte nun ein knapp zehnminütiges Video, dass die Arbeiten im Studio «la Casamurada» zeigte. Danielle Cara Hefti, eine Freundin der Band, begleitete die Musiker nach Spanien und erstellte ein Making-of. Das gezeigte Video entsprach zwar noch nicht dem fertigen Schnitt, dennoch spürte man bereits in dieser Fassung, ab der ersten Sekunde, den Ehrgeiz und den Perfektionismus der jungen Filmemacherin. Im Video erzählen die Musiker zunächst, wieso gerade jetzt ein Album in Spanien entstünde. Für Michael soll das Projekt «Album» im Zentrum stehen, sprich keine Ablenkungen von aussen. Sämi wiederum findet die Atmosphäre passend zum Album. Zudem ist die Umgebung inspirierend. «Studioaufnahmen sind gnadenlos», findet Yannick, «live klingt es immer ‹hammer›. Im Studio ist das was ganz Anderes». Zum Schluss hörten und sahen wir noch den Saxophonisten Mauro. Er erzählte uns, dass die Parts der Bläser meist während den Proben entstünden, sprich live. Beim letzten Album wurde noch einiges von den beiden Hauptkomponisten, Yannick und Roman Rey, vorgegeben, daher war es schön zu hören, dass die Bläser auch mitwirkten. Untermalt wurde das Video übrigens ausschliesslich mit Songs aus dem neuen Album.

Nach dem längeren, aber unterhaltsamen Video wurde es Zeit für einen weiteren Song. Roman Rey ist wiederum der Komponist des Stücks «Individual». «Ich freue mich immer, wenn die Leute einen eigenen Charakter haben», so der Musiker kurz und knapp. Interessant war, dass das Tempo eine gewisse Wichtigkeit hatte. Klar war, dass der Song nicht radiotauglich sein müsse. Um ein natürliches Live-Gefühl hinzubekommen wurde eine sogenannte «Tempomap» am Computer erstellt. Diese enthielt minimale Tempoveränderungen, die nicht wirklich hörbar waren, aber sich im Gesamten organischer anfühlen sollten. Nach diesen kurzen Vorinformationen wurde die Aufnahme von «Individual» abgespielt. Erster Höreindruck: Richtig tighter, soulig-angehauchter, grooviger Jazzclub-Sound. Der Chorus gefällt beim ersten Höreindruck «ungemein».

«Wie geht es nun weiter?» Diese Frage möchte der Perkussionist Cédric klären. Die Platte sei bereit fürs Mastering. Das Crowdfunding läuft noch bis Ende Juni. Das Crowdfunding lief noch bis Ende Juni, unterstützende Spenden sind aber nach wie vor auf der Bandwebsite www.thepeppermintteagroup.com sehr erwünscht.

Die Verpackung bzw. das Cover entstand während eines Fotoshootings in einer Shisha Bar. Dabei wurden mehrere Spots ausprobiert. Ein paar Coverentwürfe mit unterschiedlicher grafischer Gestaltung wurden ebenfalls gezeigt. Für die Konzerte wird es auch ein neues Bühnenkonzept geben, so möchte die Band zum Beispiel mit unterschiedlich farbigen Fliegen auftreten. Dabei ist aber noch nichts definitiv.

In der Phase bis zur Plattentaufe werden noch zwei Singles veröffentlicht. Das bereits vorgestellte Stück «Good Enough» wird den Anfang machen. Später wird das noch ungehörte «Hump That Funk» dem Radiopublikum präsentiert. Auch in den Medien möchte die Band stärker präsent sein. Nebst den Sozialen Medien, sowie den Printmedien, sind mehrere Auftritte bei Radio Zürisee bereits fix gepalnt. TV Südostschweiz war am heutigen Abend zwar nicht anwesend, wird aber eine Bandprobe besuchen. Nach der Plattentaufe wird dann ein gutes Vertriebs- und Präsentationskonzept wichtig sein. Um dieses Vorhaben umzusetzen wird es im Herbst eine Tour quer durch die Schweiz geben. Welche Städte und Clubs dabei sein werden, scheint noch nicht klar zu sein.

Der Beat kommt von Michael Knobel. Foto: Naomi Wirth (www.naomisalome.com)

Der Beat kommt von Michael Knobel.
Foto: Naomi Wirth (www.naomisalome.com)

 

Jetzt kriegten wir wie angekündigt die zweite Single «Hump That Funk» zuhören. Das Stück aus der Feder von Roman Rey wurde aber nicht einfach ab Band präsentiert, sondern mit einem Video untermalt. Das mit relativ einfachen Mitteln produzierte Video ist ein sogenannter «One-Camera-Shoot». Dabei wird bei diesem Video mit bewussten Schnitten das Bild vermittelt, es handle sich um eine einzige Kamerafahrt. Sämtliche Bandmitglieder tauchen im Video auf. Erstaunlicherweise haben aber nicht alle gleichzeitig gedreht. Musikalisch wird uns ein fettproduzierter, treibender, sehr basslastiger Funkgroove dargeboten, der seinem Titel alle Ehre macht. Die laute Bridge «haut richtig rein», und wird von einem schönen und ruhigen Aufbau in einen Bläserteil abgelöst. Hat definitiv Potenzial.

Bevor der letzte, neue Song vorgestellt werden sollte bedankt sich Yannick nochmals bei den Gästen. Es sei toll, das die Unterstützung da sei. Man sei zusammen mit dem Publikum gespannt auf das Endprodukt. Nun meldet sich überraschend Regierungsrat Kaspar Becker zu Wort. Er fände es sensationell was die Jungs hier machen. Es sei nicht etwas, dass einfach so funktioniere. Es stecke viel Arbeit dahinter, dennoch kommt der Spass nicht zu kurz. Zum Schluss wünscht er alles Gute für den Albumrelease und die anschliessende Tour. Schön zu sehen, wie begeistert Kasper Becker war. Das Publikum pflichtet ihm bei und bedankt sich mit Applaus.

Zum Abschluss kriegten die Zuhörer noch den Song «I Can’t» live vorgespielt. Der von Yannick komponierte Song startet mit einem kurzen Drum-Intro. Es folgt ein eher poppiger Teil, gepaart mit Sambagroove und schönen Bläsereinsätzen. «I Can’t» vermittelt ein positives Gefühl, dass bei den anwesenden Zuhörern anzukommen scheint. Der Bridgeteil bringt Abwechslung und kommt mit neuen «Farben» daher. Das Stück endet schliesslich abrupt. 
Die Zuhörer schienen nach dieser Darbietung aber noch nicht genug zu haben. So gab es noch eine kleine Zugabe. Mit «Energize my Base», einem Song aus dem ersten Album, endet der kurzweilige und informative Abend schliesslich, die Tore des «Bazaars» schlossen sich wieder. Zurück bleiben viele unterschiedliche Eindrücke.

«At The Bazaar» scheint ein ambitioniertes, abwechslungsreiches Werk zu werden. Spätestens an der Plattentaufe vom 8. September 2018 wird man sehen, mit was für Klängen uns The Peppermint Tea Group verwöhnen wird.

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Stefan Mächler

Stefan Mächler

Stefan ist Mitglied des VFMB-Vorstands und Berufsmusiker mit einem Master of Arts in Pedagogy. Neben der Tätigkeit als Saxophonlehrer spielt er in diversen Formationen Saxophon und E-Bass, er hat ein breites musikalisches Wissen und ist ein Kenner der örtlichen Musikszene.
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